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Das Auto im Sommer – unterschätzte Lebensgefahr für den Hund

 

Endlich steht der Sommer vor der Tür. Jetzt kommt die Zeit, die wir so gerne draußen verbringen und das Leben mit unseren Hunden genießen. Doch auch dann müssen wir einkaufen oder haben Termine, zu denen wir unsere Fellnasen nicht mitnehmen können. Es gibt viele Möglichkeiten sie in der Zeit sicher unterzubringen. Es sollte aber auf keinen Fall das Auto sein.

 

In diesem Beitrag erklären wir warum es keine Option ist, den Hund allein im Auto zu lassen, welche Alternativen es gibt und was du tun kannst, wenn du einen Hund im fremden Auto entdeckst.

 


 

Die Hitzeentwicklung im Auto

 

Noch immer hält sich hartnäckig der Irrglaube, es reiche aus, sein Auto im Schatten zu parken und ein Fenster einen Spalt weit zu öffnen, um einen, im Auto wartenden, Hund vor Überhitzung zu schützen. Dem ist mitnichten so! 

 

Schon bei einer Außentemperatur von 20°C im Schatten kann sich ein Auto innerhalb von 5 Minuten auf 24° erhitzen. Nach nur 30 Minuten kann die Temperatur im Innenraum schon auf etwa 36° ansteigen. 

Steht das Auto auch noch in der Sonne mag man sich gar nicht vorstellen, wie hoch  die Innentemperatur innerhalb von nur 5 Minuten ansteigt. Auch wenn das Auto zunächst im Schatten stand, kann das wenige Minuten später anders aussehen. Oft wird schlichtweg vergessen, dass sich durch die Erdrotation der Sonnenstand ändert. Für den Hund entsteht unter diesen Bedingungen bereits in kürzester Zeit eine lebensbedrohliche Situation.

 

Wie kühlt ein Hund seine Körpertemperatur im Sommer herunter?

 

Hunde nutzen drei Möglichkeiten: Sie legen sich in den Schatten, gerne auf kühle Untergründe, trinken viel und hecheln. Sie können sich nicht durch Schwitzen herunterkühlen. Sie besitzen zwar an den Pfoten Schweißdrüsen, können aber darüber nicht ihre Körpertemperatur regulieren. Die Drüsen dienen in erster Linie der Duftmarkierung. Im Auto haben Hunde nur die Möglichkeit sich durch Hecheln abzukühlen. Dabei bewegt sich Luft über die oberen Atemwege, wobei Feuchtigkeit, die auf den Schleimhäuten der Atemwege liegt, verdunstet. Die dadurch entstehende Verdunstungskälte kühlt den Körper des Hundes, insbesondere auch sein Gehirn. Ist keine Feuchtigkeit mehr auf den Schleimhäuten vorhanden, kann auch keine Verdunstungskälte mehr entstehen.

 

Um es vorweg zu nehmen. Einen Wassernapf bereit zu stellen löst das Problem nicht. In einem hoch erhitzten Auto reicht Trinken dem Hund nicht aus, um sich ausreichend runter zu kühlen. Auch ein kühles Plätzchen findet er im Auto nicht. Eine kühlende Unterlage erwärmt sich in kürzester Zeit und ist daher ineffektiv.

 

 

Wie fühlt sich ein Hund im Auto?

 

Für einen Hund ist die psychische Belastung schon nach wenigen Minuten sehr hoch. Seine Familie lässt ihn allein in einem kleinen Raum, in einer beängstigenden Situation, die er nicht verlassen kann. Solch eine Situation ist für ihn bedrohlich und führt zu Stress und Panik. Das kann, vor allem bei stark an ihren Halter gebundenen Hunden, das Vertrauen stark erschüttern. 

 

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Situation für den Hund anfühlt, stell dir vor du würdest mit kompletter Wintermontur alleine in der Sauna sitzen und könntest die Kleidung weder ausziehen, noch die Sauna verlassen, um deinen Körper runter zu kühlen. Es gebe keine Möglichkeit, diese lebensbedrohliche Situation zu verlassen. 

 

 

Welche Alternativen zum Auto gibt es?

 

Besonders für unsere Tierschutzhunde ist es anfangs oft schwierig in ihren Happy Homes allein zu bleiben. Zu groß ist die Angst, wieder verlassen zu werden. Das Alleinbleiben ist also genau das, was wir unseren Hunden beibringen müssen.

 

Ganz am Anfang ist es wichtig, das Vertrauen zwischen dir und deinem Hund aufzubauen. In dieser Zeit kannst du ihn auf keinen Fall alleine lassen, solltest sie aber nutzen, um genau das mit ihm zu trainieren. Alleinsein bedeutet für jeden Hund Stress, wenn es nicht trainiert wird. Es ist eine absolute Notwendigkeit im Zusammenleben mit deinem Hund. Das gilt auch in einem Haushalt mit mehreren Hunden. Ein Hundetrainer oder eine Hundeschule kann hier sehr gut unterstützen und sollte unbedingt in Anspruch genommen werden. 

 

Parallel zum Training ist ein strukturierter Betreuungsplan sinnvoll, um deinen Alltag mit dem Hund während dieser Phase  so stressfrei wie möglich zu gestalten. 

Hol dir Unterstützung von Freunden und Familie. Sie können den Hund während deiner Abwesenheit zu Hause betreuen oder mit deinem Hund draußen warten, während du einkaufen gehst oder deinen Termin wahrnimmst. 

 

Auch andere Konzepte wie die Betreuung durch einen Dogsitter, einer Hundepension oder auch Dogsharing sind gute Alternativen.

 

Bitte binde deinen Hund niemals alleine draußen an, egal wo! Auch das kann für ihn Stress bedeuten oder jemand Fremdes könnte ihn einfach mitnehmen. 

 

Langfristig ist das eigene Zuhause für einen gut trainierten Hund die Lösung, die am wenigsten Stress und am meisten Sicherheit bedeutet, wenn er nicht mitgenommen werden kann. 

Am Sichersten und Wohlsten fühlt dein Hund sich natürlich bei dir.

 

 

Was tun, wenn du einen fremden Hund im Auto entdeckst

 

Achte zuerst darauf, ob der Hund eines oder mehrere der folgenden äußerlich erkennbaren Überhitzungsanzeichen zeigt:

 

  • intensives Hecheln mit weit heraushängender Zunge
  • stark gerötete oder blaue Schleimhäute und/oder eine stark gerötete Zunge
  • vermehrter Speichelfluss
  • Unruhe oder taumelnder Gang
  • Erbrechen oder Durchfall
  • glasige Augen
  • abwesendes oder apathisches Erscheinungsbild

Wenn der Hund eine oder sogar mehrere dieser Anzeichen zeigt oder womöglich schon bewusstlos ist, solltest du direkt die Polizei anrufen und das weitere Vorgehen zügig abklären. Es besteht die zwingende Notwendigkeit, den Hund direkt aus dem Auto zu befreien. Sichere dich, durch die Absprache mit der Polizei und durch Fotos und Videos von der Situation, rechtlich ab, bevor du den Hund aus dem Auto holst. Wenn du das Auto beschädigst, ohne die Polizei informiert zu haben, droht dir eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.

 

Hast du den Hund aus dem Auto geholt, rufe sofort einen Tiernotdienst an und kühle den Hund vorsichtig ab. Leg ihn in den Schatten und biete ihm Wasser an. Bitte nicht einflößen. Kühle seinen Nacken und Kopf mit einem feuchten Tuch. Ist der Hund schon bewusstlos oder lebensgefährlich überhitzt, gilt es, ihn so schnell wie möglich runter zu kühlen. In dieser Situation solltest du ihn zügig mit Wasser übergießen. Beginne an den Beinen, gieße weiter über den Rumpf, am Schluss den Kopf. Nimm niemals eiskaltes Wasser und kippe es nie direkt über den gesamten Hund. Damit könntest du einen Schock auslösen. 

 

In manchen Fällen scheint es dem Hund noch gut zu gehen. Du solltest dennoch bei ihm bleiben, bis der Halter wiederkommt.

Wenn du dich damit sicherer fühlst, kannst du auch hier die Polizei dazuholen. 

Trifft der Besitzer vor der Polizei ein, konfrontiere ihn sachlich mit der Situation. Auch wenn es schwer fällt, versuche ihn nicht vorzuverurteilen oder verbal anzugreifen. Wem sein Hund wichtig ist, der handelt oft aus Unwissenheit falsch oder weil er es „immer so gemacht hat” und es “immer gut gegangen ist“. Geh in ein Gespräch mit dem Besitzer. Teile ihm deine Sorge um den Hund mit.

Wenn sich der Halter hier einsichtig zeigt, kannst du ihm zukünftige Alternativen aufzeigen. Wenn nicht, dann hast du dein Möglichstes gegeben. Manchmal kommt die Einsicht auch später.

 

Fazit:

 

Einem Tierschutzhund ein Happy Home zu geben ist großartig. Aber du solltest dir der Verantwortung bewusst sein. Kümmere dich rechtzeitig um Alternativen, denn es ist keine Option, deinen Hund alleine im Auto zu lassen, egal bei welchen Temperaturen. Es bedeutet für den Hund ein hohes Maß an Stress und er hat keine Option, seine Körpertemperatur auf ein gesundes Maß zu regulieren.